Wahrhaftig kommunizieren -

was heißt das?

Und warum überhaupt?

 

"Zeig ein kleines Stückchen Wahrheit

und sieh, wie die Wüste lebt.

Schaff ein kleines bisschen Klarheit,

und schau, wie sich der Schleier hebt."

(frei nach Xavier Naidoo)

 

Hast du schon einmal bewusst wahrgenommen (wahr genommen) wie oft in der Stunde, wenn du mit anderen Menschen zusammen bist, du etwas in dir verleugnest, unterdrückst, beschönigst, erschreckt oder peinlich wieder tief in das innere deines Körpers zurückschiebst?

 

Wahrhaftig kommunizieren wie ich es meine

heißt transparent kommunizieren

ist ein körper-zentrierter Prozess

ist prozessorientiert

 

Es heißt, ehrlich und wahrhaftig mit dem Körper und mit Worten, in unserer gewohnten Alltagssprache und vorsprachlich (durch Laute, Töne) das zum Ausdruck bringen und mit anderen teilen, was gerade in mir vorgeht.

Stell dir vor, wie MiteinanderSein sich anfühlen könnte, wenn von jedem und jeder ALLES transparent ist - jenseits von Schuld und Scham, weil wir alle unschuldig sind, gleich-gültig, was in uns vorgeht

Als Kinder lernen wir gleichzeitig: „Du sollst nicht lügen“ und erleben, wie oft unsere Eltern lügen, wenn sie anderen Menschen begegnen.

 

"Anders geht es ja gar nicht, sonst würde es Mord- und Totschlag geben - Wo kämen wir denn schließlich hin, wenn jeder sagte, was er oder sie denkt?!“ Denkst du das auch?

Es geht in erster Linie gar nicht so sehr darum zu sagen, was wir den-ken, sondern zu zeigen und mitzuteilen, was wir fühlen oder empfinden und wie es uns gerade geht – also uns zu zeigen, wie wir gerade da sind – auf eine Art und Weise, die die Unschuld aller Beteiligten intakt lässt.

 

(Mich als unschuldig erleben ist für mich einer der wesentlichen Faktoren überhaupt und immer noch eine Herausforderung).

Wahrhaftig kommunizieren macht deutlich, wo Abstand ist, und öffnet die Tür für zwischenmenschliche Nähe, die durch Offenheit entsteht, und die jenseits von Mögen oder Nicht-mögen ist. Manchmal verwandelt sich Abstand in Nähe, wenn er ausgedrückt wird, manchmal bleibt es beim Abstand, dann aber ohne K(r)ampf und Lüge. Wie in einem „Laboratorium für persönliche Abrüstung“ (Scott Peck).

 

Wie kann das praktisch aussehen?

Das Übungs-Setting nach Scott Peck sieht so aus: Zu zweit oder mehreren schweigen, Konflikte ansprechen, das Risiko eingehen, uns mit unseren dunklen Seiten, unserer Verletzlichkeit und unserer wahren Größe und Schönheit sehen zu lassen - es sind nicht nur unsere Schattenseiten, die wir voreinander verbergen ...

Der Ratlosigkeit und/oder Verzweiflung, die auftauchen, wenn wir wieder einmal damit konfrontiert werden, wie anders jede(r) das, was wir alle wollen - geliebt werden, wie wir sind - auffasst, RAUM geben

- das bedeutet für mich wahrhaftig kommunzieren, mit Worten und jenseits von Worten. Das liegt mir am Herzen.

Im Alltag können all diese Elemente einfließen wenn wir mit anderen Menschen zu tun haben, aber flexibler als im Übungssetting und auch nicht in jeder Begegnung gleichermaßen.

 

Wie es meiner Erfahrung nach nicht geht

Eine verbreitete Sichtweise oder Hoffnung vieler Menschen ist, dass wir zu einem friedlichen Miteinander kommen können, indem wir beschließen, möglichst friedfertig zu sein und uns gegenseitig "so zu lassen, wie wir sind", bevor wir uns selber mit ALL unseren Schattenseiten vertraut gemacht und uns selbst so annehmen und möglichst sogar lieben, wie wir sind. Wenn das eine (die anderen so annehmen wie sie sind) vor dem anderen (uns selbst mit all unseren Schattenseiten kennenlernen und annehmen und gern auch lieben lernen) geschehen soll, kann es nur Pseudoharmonie geben, wo viel Verdrängtes im Unbewussten unter dem Teppich schwelt und sich früher oder später dann doch Bahn bricht. Und der oder die, durch die es sich Bahn gebrochen hat, wird dann doch wieder zum Buhmann, der nicht so genommen wird, wie er gerade ist.

Wenn wir Frieden erreichen wollen, indem wir nur noch friedlich miteinander umgehen, sind wir wirklich in einer Zwickmühle: Wenn jemand dann seine Schattenseiten zeigt, indem er über uns z.B. wütend oder ungeduldig wird (unter der Oberfläche senden ja auch wir mit unseren unerlösten Schattenseiten weiterhin Signale von Wut und anderen aufrührenden Gefühlen aus), und damit einfach so ist, wie er oder sie in diesem Augenblick ist, werfen wir ihm oder ihr vor, uns nicht so zu lassen wie wir sind. Was gleichbedeutend ist mit: wir nehmen den anderen (der wütend über uns ist) ja auch nicht so, wie er gerade ist.

Aus dieser Zwickmühle kommen wir nur heraus, wenn wir uns selbst bis in den letzten Winkel der Westentasche kennenzulernenbereit sind und das nach und nach erlauben. Und wenn unser Zusammensein nicht auf dem Primat beruht: niemals verletzen, sondern: möglichst wenig verletzen, gleichzeitig so weit wie irgend möglich nichts persönlich nehmen, was ein anderer auf seinem Weg der Aufarbeitung innerer Schatten äußert. Und wenn es mich verletzt, dann darf das auch offen ausgesprochen werden, möglichst ohne Vorwurf. Und wenn es doch noch mit Vorwurf sein muss, dann muss auch das erst mal Raum haben ... Und es ist wunderbar und heilsam, wenn wir dann bei all dem Gerangel sogar eine gemeinsame Ebene im gegeneinander schimpfen finden können, auf der wir das Ganze spielerisch und vielleicht sogar deftig zum Ausdruck bringen - so kommt die gestaute Ladung auf spielerische Weise ins Fließen.

Aber auch das geht nicht mit jedem, und an diesen Stellen, wo wir nicht nur in unseren Werten und Gefühlen, sondern auch noch in der Art unserer Konfliktverarbeitung unterschiedlich sind, liegen die großen Frustpunkte wenn es nicht geht und die Eintrittspunkte für Gnade, wenn wir uns dann wenigstens, möglichst gemeinsam, der Ratlosigkeit und Verzweiflung hingeben können, wie DAS denn wohl gehen soll ...

Synchronizität: Gerade bekam ich einen tollen Bericht über einen Kongress namens "Forum Erleuchtung", auf dem ich nicht war, in dem aber wunderbar beschrieben ist, was ich hier gerade versucht habe zu sagen. Hier ist er.

 

Warum lügen, verschweigen, verbergen oder verleugnen wir überhaupt soviel?

Weil uns die Lüge der Erbsünde buchstäblich in den Knochen steckt -

das ist eine Antwort.

Eine andere Antwort: Weil unser ganzes Erleben als "von Gott und der Welt getrennte Wesen" bereits auf einer Lüge beruht - auf den Ebenen jenseits 3D (unserer dreidimensional wahrgenommenen Welt) ist ja alles ein Kontinuum aus Schwingung, geometrisch angeordneten Mustern aus mehr oder weniger Dichte ...

Eine weitere Erklärung, mit der ich viel anfangen kann: Jede(r) von uns hat tief in den Zellen ein genetisch angelegtes tiefes Misstrauen anderen Menschen gegenüber und Angst vor Nähe: Sobald ein nicht vertrauter anderer Mensch einen Raum betritt, in dem wir bis dahin allein waren, steigt diese Angst vor Nähe als ein Ver-halten, als ein sich verhalten subtil auf.  Erst recht wenn wir in einem Raum voller fremder oder unvertrauter Menschen sind. Von da an fangen wir an, uns zu verhalten. Vorher konnten wir einfach Sein - wobei auch das die meisten von uns schon verlernt haben, selbst wenn wir mit uns allein sind - deshalb Fernsehen, PC und anderes im Dauermodus ....

 

Warum sind wir genetisch so programmiert?

Eine Erklärung, die mir am meisten einleuchtet: Weil die Evolution Diversifizierung, Differenzierung, Vielfalt will und braucht(e); das gewährleistete Entstehen unglaublich unterschiedlicher genetischer Zusammenstellungen - nur so ist bei sich verändernden Umweltbedingungen das Überleben zumindest von Teilen der meisten Spezies gewährleistet - und darum geht es evolutionär: das Spiel des Lebens will weitergehen.

Hätten wir uns im Körper so EINS mit allem gefühlt, wie wir in Wahrheit auf den anderen Ebenen die ganze Zeit waren und sind, wären wir auch körperlich zu einem einzigen Gen-Brei verschmolzen und es hätte keine ethnische Vielfalt gegeben. Wir wissen alle, welche Degenerationen die Natur beim Extremfall Inzest einprogrammiert hat. Unsere genetisch eingeprägte Angst voreinander (Fremdenangst) garantiert also genau die Mischung aus Fortbestehen einerseits und genetisch erwünschter Vielfalt andererseits, die es brauchte.

 

Neue Transparenz

- eine evolutionäre Not-wendigkeit

Jetzt haben wir unsere sichtbaren und unsichtbaren technischen Möglichkeiten der Aufrüstung aus Angst voreinander so erweitert, dass das Überleben aller Spezies auf dem Planeten und darüber hinaus gefährdet ist. Was bisher der Erschaffung von größtmöglicher Vielfalt diente, würde eben diese Vielfalt jetzt wieder vernichten, bzw. tut das seit einigen Jahrzehnten verstärkt UND in wachsendem Tempo.

Mittlerweile, JETZT, ist stattdessen TRANSPARENZ und zu unserem EINSSEIN erwachen eine evolutionäre Notwendigkeit geworden - keine, die wir mit dem Kopf ersinnen, sondern eine, die in unseren Genen vor sich geht. Und die nach sich ziehen wird und bereits zunehmend nach sich zieht,

 -   dass wir uns entweder der Zeitqualität hingeben und von dem Versuch ablassen, immer weiter mit dem Verstand Entscheidungen für unser Leben zu treffen; uns stattdessen, wenn es um Entscheidungsfindung geht, einer anderen, eher empfänglichen Weisheit hingeben, über die wir Zugang durch unsere Körper haben

(siehe auch: Human Design - www.impulse-auf-dem-weg.de)

 -   oder dass unser Verstand durch eine Überladung mit widersprüch-lichen Informationen kurzgeschlossen wird, in denen Wahres und Erfundenes bis zur Un-sinnigkeit und Unkenntlichkeit miteinander so verwoben ist, dass selbst Wahres keinen Wert mehr hat, weil es ohnehin von Unwahrem durchsetzt ist - das geschieht leicht, wenn man im Internet unterwegs ist, um herauszufinden, was denn nun zu einem bestimmten Thema wahr ist und was nicht..

Der Dinosaurier, der wir geworden sind, verliert gerade den Boden unter den Füßen - ein neues WIR klopft an die Tür, auch wenn wir alle genetisch noch in fast den alten Kostümen stecken - das drückt und quält an allen Enden, aber es ändert sich auf natürlich evolutionärem Weg gerade etwas in unseren Genen und wir stecken alle mittendrin. Zu erkennen ist es z. B. daran, dass nichts mehr funktioniert, was vom Kopf ersonnen wird, dass all unsere Lösungsversuche, soweit sie vom Kopf ausgehen, das Zerstörungschaos entweder nicht aufhalten oder nur noch verschlimmern.

 

Nur unsere Körper lügen nicht

Alles, was wir gewohnt waren, unter den Teppich zu schieben, findet jetzt den Weg ans Licht, "gesellschaftlich-politisch" ebenso wie "persönlich", und wir dürfen es uns ansehen und wissen, dass wir UNSCHULDIG sind und gleichzeitig die Verantwortung haben, das, diesen Wust an unter den Teppich Geschobenem in uns, zu klären, damit es sich lösen und heilen kann. Damit unsere Körper durchlässig werden für das, was als nächstes dran ist.

Unsere Körper sind genetisch dafür angelegt, ALLE Informationen aufzunehmen, die wir in jeder Milli-Sekunde aus unserer Umwelt bekommen, und das sind verstand-sprengend viele - und wir brauchen keine weiteren äußeren Autoritäten und wissenschaftlichen Forschungen mehr, um uns zu sagen, was es, und zwar von Augenblick zu Augenblick, zum Gedeihen braucht.

Der Körper ist unser Gefährt oder Reisetier für dieses Leben, Seele lenkt die Reise, und "wir" - soweit wir uns mit Verstand und einem kleinen "ich wollte aber doch" identifizieren - sitzen auf dem Rücksitz des Fahrzeugs oder auf dem Rücken des Reisetieres und wären eigentlich hier, die Reise zu genießen.

 

Die Auferstehung des Heiligen Weiblichen -

The Sacred Female Rising

Wir lassen den Verstand zunehmend links liegen, wenn es um Entscheidungsfindung geht. Dadurch wird unser Körper immer freier, die innewohnende Weisheit leben zu lassen. Der Körper, für mich kein "er" sondern wirklich eine SIE, gibt sich der Lenkung der Seele vorbehaltlos hin und fährt oder führt uns zielsicher, und ohne dass wir verstehen müssen warum, durch die Landschaften und Ereignisse, die zu unserem Seelenweg gehören. Eine Auferstehung des Heiligen Weiblichen, das in uns allen schlummert - in Männern wie in Frauen, ereignet sich und ergießt sich wie ein weiter warmer Strom in und durch unser aller Leben in die Welt.

A power into minds inner chamber steals

a charm and sweetness open up life's closed doors

and beauty conquers the resisting world.

Eine Macht sich in des Verstandes inn're Kammer stiehlt

ein süßer Zauber öffnet des Lebens verschlossne Tore

und Schönheit ergiesst sich in eine widerstrebende Welt

Das sind Zeilen aus Sri Aurobindo's SAVITRI, wo er den Hergang der Evolution beschreibt.

Eine wachsende Zahl von Menschen ist schon seit Jahren dabei, sich über die verschiedensten Ansätze für diese Art zu leben zu öffnen.

Und all diese "individuellen" Reisen sind gleichzeitig Reisen, die für unsere kollektive evoluti0näre Weiterentwicklung wichtig sind. Der Verstand ist eingeladen, wunderbare Reisetagebücher zu verfassen, oder Liedernoten hinzuschreiben (wunderbare Reisebilder malen können wir ja auch ohne den Verstand), damit wir unsere Reisen mit den anderen teilen können. Das ist das neue Leben, der nächste evolutionäre Schritt.

Wahrhaftig und transparent kommunizieren heißt für mich, mit diesem evolutionären Sog und Schub zu gehen, den in unseren Körperzellen verdrängten Wust (durch wahr - nehmen und ausdrücken) ans Licht kommen und fliessen zu lassen, damit diese Körperseelenweisheit immer ungehinderter wirken kann.